Ubersetzung: Ute Broll Jonethal
Die Tänze mit denen wir im Sacred / kreistanz arbeiten, können Werkzeuge zur Heilung, Integration, Erdung, Gemeinsamkeit, Feier, Freude, Affirmation und mehr sein. Für mich sind die Tänze wie lebende Wesenheiten, die aktiv helfen möchten uns jene Qualitäten erfahren zu lassen, die so rar sind in unserem modernen Leben.
Als Lehrer sind wir Wächter oder Verwalter dieser Tanzwesenheiten und während sie unter unserer Obhut (oder wir unter ihrer) stehen, ist es schicklich, sie mit aufmerksamer Sanftheit zu behandeln. Ein gewisses Maß an Respekt ist angebracht; für mich heißt das, sorgsam mit den Formen und Details der uns anvertrauten Tänze umzugehen.
Das bedeutet hier natürlich auch ein Paradox, denn die Tanzformen ändern und entwickeln sich auf ihrer Reise durch - und ihre Verbreitung in - der Welt. In vielen Volkstanztradition ist gutes Tanzen von Improvisation, Interpretation und persönlichem Ausdruck abhängig. Die Herausforderung ist: die Form eines jeden Tanzes und den persönlichen Ausdruck dieser Form zu respektieren.
Die Tänze wurden schließlich nicht dazu bestimmt immer auf dieselbe Art getanzt zu werden, aber es gibt wichtige Gründe weshalb Details und Stil eines überlieferten Tanzes unserer aufmerksamen Pflege wert sind. Diese Kennzeichen sind keine oberflächlichen Einzelheiten. Sie verkörpern die Identität eines jeden Tanzes, während sie gleichzeitig erlauben, das dieser Tanz zu verschiedenen Anlässen unterschiedlich getanzt werden kann; etwa in der Art, wie jede einzelne Tulpe einmalig ist, obwohl sie erkennbar zu einer Spezies gehört.
Ich glaube, die älteseten Tänze beinhalten etwas, das wir in diesen Tagen und in diesem Zeitalter wissen müssen. Diese `Botschaft' ist verschlüsselt in der Struktur (Schritten, Händehalten, Tempo, Kreis- oder Spiralformung) und im Stil (ob die Schritte groß oder klein sind, hart oder sanft, schnell oder langsam; wo Bewegungen im Körper anfangen, welche Chakras aktiviert werden, ebenso wie jedes andere Detail von Haltung und Pose). All dies hat symbolische Bedeutung.
Wenn wir Struktur und Stil erlernen, und dann lernen zu horchen auf das was wir erlernt haben, können wir den Code aufbrechen und die Botschaft erhalten. Wenn wir die Botschaft verstehen, können wir nach unserem eigenen Verstehen und unserer eigenen Interpretation tanzen; es mag so aussehen als würde sich die Form ändern, grundlegend Wichtiges ist dabei jedoch nicht verloren gegangen. Die Botschaft ist immer noch verschlüsselt in dem Tanz und jemand der diesen Tanz von uns lernt, kann sie für sich selbst entdecken.
Ich bin immer wieder dankbar für die Gelegenheit, diese versteckten Botschaften dechiffrieren zu dürfen. Doch wenn ich in die Zukunft schaue, frage ich mich: Wenn jeder Lehrer die Tänze weitergeben würde ohne die speziellen Merkmale von Stil und Form beizubehalten, wie lange würde es dauern bis die, die den Code aufbrechen wollen, die Anhaltspunkt gar nicht mehr finden?
`Die Botschaft empfangen' oder `den Code aufbrechen' ist unterschiedlich vom Denken oder Reden über den Tanz und zu einer vernünftigen Interpretation der Bewegungen kommen - daß das Erheben der Arme und Aufwärtsblicken immer etwas mit der Sonne zu tun hat, oder dem Himmel, oder dem Geist zum Beispiel. Die Form, die die Botschaft enthält, kann nicht allein aus geschriebenen Anmerkungen erlernt werden, ebensowenig wie sie nur durch Darüberreden verstanden werden kann. Die Botschaft wird ausschließlich durch die lebende, atmende, körperliche Erfahrung des Tanzes selbst übertragen.
Die Schönheit der menschlichen Unterschiedlichkeit und Kreativität ist, daß jeder von uns immer auf seine eigene individuelle Art tanzen und lehren wird. Ich empfehle, daß jeder mit so viel als möglichen, unterschiedlichen Lehrern tanzen möge, damit er dieses Wunder schätzen lernt. Aber, ganz gleich wie gut unsere Lehrer sein mögen, sie können uns nicht alles was da ist lehren. Um wirklich alles zu empfangen was ein Tanz zu geben hat, müssen wir unsere eigenen Hausaufgaben machen; unser inneres Lauschen kultivieren und den Tanz uns zu dem führen lassen, was wir schon wissen. Deswegen ist es so wichtig zu lernen gut zu tanzen: je mehr wir über unser Sein im Körper lernen, je mehr werden die Tänze selbst uns zeigen wie sie am besten getanzt und mitgeteilt werden.
Auch wenn wir als Lehrer unsere Tänze intim kennen: es ist unklug gleich zu Anfang über alles was wir entdeckt haben zu jedermann zu sprechen. Es ist eine Aufgabe, jeden einzelnen Tänzer seine oder ihre eigene Beziehung zu dem Tanz finden zu lassen, während wir als Zeugen auf dieser Reise anwesend bleiben, ohne unsere eigenen Ergebnisse aufzudrängen. Je mehr wir uns des Potentials eines bestimmten Aspektes eines überlieferten Tanzes bewußt sind, je eher ist es möglich, daß Menschen die wir lehren auch mit diesem Aspekt - in unserer Gegenwart - Verbindung aufnehmen; aber wir sollten nicht die Arbeit für sie übernehmen.
Diese Art es Wissens ist gnostiche Arbeit: die heilige Beziehung zwischen Tänzer und Tanz duldet keinen Vermittler. Das Paradoxe ist, daß wir doch Lehrer brauchen um unser Basiswerkzeug zu erlangen: wir alle brauchen Hilfe auf dem Weg der Selbsterkenntnis durch Bewegung, besonders, wenn wir versuchen uns mit etwas Größerem als wir selbst, sei es eine Gemeinschaft, die Geschichte oder das Göttliche, zu verbinden.
Wie lernen wir zu lernen? Wie können wir den Code aufbrechen? Wie können wir das Feuer enthüllen das in jeder Tanzform steckt, und das die Gründe - für das was es ist - erleuchten würde, die Botschaft die in den Schritten verborgen ist enthüllend. Wie können wir - jeder für sich allein - in das Wissen der direkten Erfahrung reisen? Tanze! Tanz', tanz', tanz', tanz',tanz'!